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Fachinformation zu Selegilin Helvepharm:Helvepharm AG
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Zusammensetzung

Wirkstoff: Selegilini hydrochloridum.
Hilfsstoffe: Lactosum, excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 5 mg Selegilin-Hydrochlorid.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

In Kombination mit L-Dopa: Morbus Parkinson: on-off-Phänomen, akinetische Krisen, end-of-dose-Akinesien, paradoxe, paroxysmale oder zirkadiane Akinesien.
Als Monotherapie: Für die Erstbehandlung eines Morbus Parkinson.
In einer Tagesdosis von 10 mg erlaubt es Selegilin Helvepharm (wie die Dopaminagonisten) den Beginn einer L-Dopa-Behandlung hinaus zu zögern.

Dosierung/Anwendung

1. In Kombination mit L-Dopa: 5–10 mg, d.h. 1–2 Tabletten täglich, in 1 oder 2 Gaben, vorzugsweise mit den Mahlzeiten.
Die individuelle Anpassung der Levodopa-Dosierung muss genau überwacht werden. Sie kann je nach Fall um 10 bis 30% reduziert werden.
2. Als Monotherapie: 10 mg, d.h. 2 Tabletten täglich, in 1 oder 2 Gaben, vorzugsweise mit den Hauptmahlzeiten.
Bei morgendlichen Akinesien ist 1 Tablette abends beim Schlafengehen einzunehmen.
Die Wirkung von Selegilin Helvepharm tritt nach 40–60 Minuten ein und dauert 1–3 Tage. Die Maximaldosis von 10 mg pro Tag (2 Tabletten) darf auf keinen Fall überschritten werden. Eine höhere Dosis bringt keine zusätzliche Verbesserung, sondern verstärkt die unerwünschten Wirkungen der Levodopa-Therapie sowie das Risiko einer hypertensiven Krise. In Dosen von 10 mg pro Tag hemmt Selegilin die MAO-B zu 80% und irreversibel: Diese Hemmung kann nicht verstärkt werden. Das Risiko, die unerwünschten Wirkungen von Levodopa zu verstärken, ergibt sich aus der Tatsache, dass Selegilin in höheren Dosen seine Spezifizität verliert und mit dem peripheren Katecholamin-System interferieren kann. Aus diesem Grund benötigt die Einführung von Selegilin bei der Behandlung eines Parkinsonpatienten eine erhöhte Überwachung.
Selegilin Helvepharm ist bei Kindern und Jugendlichen weder indiziert noch empfohlen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit auf Selegilin oder auf einen der Hilfsstoffe.
Kombination mit selektiven Serotonin- und/oder Noradrenalinwiederaufnahmehemmern (z.B. Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Venlafaxin, Duloxetin), trizyklischen Antidepressiva, Sympathomimetika, Pethidin (siehe «Interaktionen», insbesondere Hinweise bezüglich sequentieller Behandlung), Opiate, Serotoninagonisten (wie z.B. Sumatriptan) und Bupropion.
Nicht auf Dopaminmangel zurückzuführende extrapyramidale Syndrome, welche z.B. von essentiellem oder familiärem Tremor oder von Chorea Huntington begleitet sind.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Da Selegilin die H2-Rezeptoren des Magens stimuliert, soll Selegilin Helvepharm Patienten mit Magen- oder Zwölffingerdarm-Ulzera nur mit Vorsicht verabreicht werden. Die gleiche Vorsicht ist geboten bei Patienten mit nicht stabilisierter Hypertonie, Herzarrhythmien, schwerer Angina pectoris und Psychosen.
Bei Patienten, die MAO-Hemmer einnehmen, werden bei einer Allgemeinanästhesie in der Chirurgie besondere Vorsichtsmassnahmen empfohlen.
Einige Studien zeigten, dass bei Patienten, die Selegilin und Levodopa erhielten, ein im Vergleich zu Patienten, die nur Levodopa erhielten, erhöhtes Mortalitätsrisiko bestand. Es ist jedoch anzumerken, dass viele methodologische Bias in diesen Studien identifiziert wurden. Eine Metaanalyse und grosse Kohortenstudien konnten keinen signifikanten Unterschied in der Mortalität von Patienten, die mit Selegilin behandelt wurden, im Vergleich zu Patienten unter Therapie mit Vergleichssubstanzen oder mit der Kombination Selegilin/Levodopa nachweisen.
Da Selegilin die Wirkung von Levodopa verstärkt, können, besonders bei Patienten, die hohe Dosen Levodopa einnehmen, auch die unerwünschten Wirkungen von Levodopa verstärkt werden. Diese Patienten müssen sorgfältig überwacht werden. Die unerwünschten Wirkungen verschwinden durch eine Verringerung der Levodopa-Dosis.
Bei Verabreichung von höheren als den empfohlenen Dosen (10 mg/Tag) kann Selegilin die MAO-B-Selektivität verlieren und so das Hypertonie-Risiko erhöhen.
Wegen des Laktose-Monohydratgehaltes dürfen Patienten, die unter seltenen Erbkrankheiten leiden wie z.B. Galaktoseintoleranz, Laktasemangel oder Glukose-/Galaktose-Malabsorption, Selegilin Helvepharm nicht einnehmen.

Interaktionen

Sympathomimetika
Während der Selegilin-Behandlung sollte die Verabreichung von sympathomimetischen Substanzen wegen des Hypertonierisikos vermieden werden.
MAO-Hemmer
Die gleichzeitige Verabreichung von Selegilin und anderen MAO-Hemmern kann zu schwerer Hypotonie führen.
Pethidin
Die Interaktion zwischen nichtselektiven MAO-Hemmern und Pethidin ist bekannt. Obgleich der Mechanismus dieser Interaktion nicht geklärt ist, ist die gleichzeitige Verabreichung von Selegilin, einem selektiven MAO-B-Hemmer, und Pethidin kontraindiziert.
Selektive Hemmer der Serotoninwiederaufnahme (SSRI)
Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (SNRI) (siehe «Kontraindikationen»)
Selegilin sollte wegen des möglichen Auftretens eines sogenannten serotoninergen Syndroms oder von Teilsymptomen wie Verwirrung, Hypomanie, Erregtheit, Hypertonie, Konvulsionen, Hyperreflexie, Fieber, Schüttelfrost, Zittern, fehlende Koordination, Halluzinationen, Hyperthermie, Diaphorese, Diarrhö, Muskelrigidität und Muskelhypertonus, Ataxie und manischer Psychose nicht zusammen mit den SSRI und den SNRI verabreicht werden.
Zwischen dem Absetzen einer Selegilin-Behandlung und dem Beginn einer Fluoxetin-Verabreichung oder Verabreichung eines anderen SSRI oder SNRI sollte eine Frist von 14 Tagen eingehalten werden. Wegen der langen Eliminationshalbwertszeit von Fluoxetin ist es erforderlich, seine Verabreichung mindestens 5 Wochen vor Beginn einer Selegilin-Behandlung abzubrechen. Im Falle anderer SSRI/SNRI muss beim einzuhaltenden einnahmefreien Intervall die Eliminationshalbwertszeit des betreffenden SSRI/SNRI berücksichtigt werden.
Bupropion
Selegilin sollte wegen des möglichen Auftretens eines sogenannten serotoninergen Syndroms nicht zusammen mit Bupropion verabreicht werden. Zwischen Absetzen einer Selegilin-Behandlung und Beginn einer Bupropion-Verabreichung sollte eine Frist von 14 Tagen eingehalten werden. Beim einzuhaltenden einnahmefreien Intervall muss die Eliminationshalbwertszeit von Bupropion (ca. 20 Stunden) berücksichtigt werden, bevor eine Behandlung mit Selegilin begonnen wird.
Trizyklische Antidepressiva
Bei der Kombination von trizyklischen Antidepressiva mit Selegilin wurde gelegentlich über eine schwere Toxizität für das Zentralnervensystem (serotoninerges Syndrom), Muskelrigidität und Hyperthermie, manchmal in Kombination mit arterieller Hypertonie/Hypotonie, Diaphorese, Synkopen, Asystolie und mentalen Veränderungen (Erregtheit, Verhaltensstörungen) berichtet. Folglich ist die gleichzeitige Verabreichung von Selegilin und trizyklischen Antidepressiva kontraindiziert.
Zwischen dem Abbruch einer Selegilin-Behandlung und dem Beginn einer Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva sollte eine Frist von wenigstens 14 Tagen eingehalten werden. Im umgekehrten Fall muss beim einzuhaltenden Intervall nach der letzten Einnahme des trizyklischen Antidepressivums vor Beginn einer Selegilin-Behandlung die Eliminationshalbwertszeit des trizyklischen Antidepressivums berücksichtigt werden.
Nahrungsmittel
Anders als die konventionellen MAO-Hemmer, die sowohl MAO-A als auch MAO-B hemmen, ist Selegilin ein spezifischer MAO-B-Hemmer.
Während der Selegilin-Behandlung in den empfohlenen Dosen wurde über keine hypertensive Reaktion («Cheese Effect») beim Verzehr von tyraminhaltigen Lebensmitteln berichtet. Diätetische Einschränkungen sind daher nicht erforderlich.
Jedoch werden bei der Kombination von Selegilin mit konventionellen MAO-Hemmern oder MAO-A-Hemmern diä­tische Massnahmen empfohlen (Nahrungsmittel meiden, die grosse Mengen Tyramin enthalten wie gereiften Käse und Fermentationsprodukte).

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen oder beim Tier.
Es ist selten, dass Selegilin für Patienten im zeugungsfähigen Alter verschrieben wird.
Vorsichtshalber sollte Selegilin Helvepharm bei schwangeren Frauen nicht angewandt werden.
Angesichts der Tatsache, dass man zur Zeit nicht weiss, ob Selegilin in die Muttermilch übertritt, soll es vorsichtshalber von stillenden Mütter nicht eingenommen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Selegilin Helvepharm kann das Reaktionsvermögen vermindern und die Fähigkeit zum Autofahren oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Alkohol verstärkt diese Wirkung.

Unerwünschte Wirkungen

In Monotherapie wird Selegilin im Allgemeinen gut vertragen.
Psychiatrische Störungen
Stimmungsschwankungen, Hypersexualität.
Störungen des ZNS
Gelegentlich: vorübergehende Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Halluzinationen, Kopfschmerz.
Häufig: Schwindelgefühl.
Kardiovaskuläre Störungen
Selten: orthostatische Hypotonie, Herzrhythmusstörungen.
Gastrointestinale Störungen
Häufig: Übelkeit.
Selten: Erbrechen, Mundtrockenheit.
Sehr selten: gastrointestinale Ulzera.
Funktionsstörungen der Leber und der Galle
Häufig: mässige Erhöhung der Leberenzymspiegel.
Funktionsstörungen der Haut
Selten: Hautreaktionen.
Funktionsstörungen der Nieren und ableitenden Harnwegen
Sehr selten: Harnretention.
Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Levodopa beobachtet man die gleichen unerwünschten Wirkungen, die durch eine Überdosierung mit Levodopa hervorgerufen werden. Sie treten gelegentlich oder selten auf und hören mit der Reduktion der Levodopadosierung auf: Schlaflosigkeit, Dyskinesien, Erregtheit, Konfusion, Halluzinationen, Übelkeit, orthostatische Hypotonie, Arrhythmien, Palpitationen, Angina pectoris, Obstipation, Appetitverlust, Ödeme, Erhöhung der Spannung, Angstzustände, Atemnot, Leukopenie, Thrombozytopenie.
Levodopa sollte im Allgemeinen in Kombination mit einem peripheren Decarboxylasehemmer verabreicht werden. Die Kombinationstherapie mit Selegilin sollte eine Verringerung der Levodopa-Dosis um 30% ermöglichen.

Überdosierung

Bei Personen, die Dosen von 600 mg Selegilin ausgesetzt waren, traten schwere Hypotonie sowie motorische Erregung auf. Die Symptome der Überdosierung bei Kombination mit Levodopa sind identisch mit den oben erwähnten unerwünschten Wirkungen. Bei einer akuten Vergiftung muss eine Magenspülung vorgenommen und Diazepam langsam intravenös verabreicht werden, um die Nebenwirkungen, welche als Folge der Stimulierung des zentralen Nervensystems auftreten, zu behandeln.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N04BD01
Wirkungsmechanismus
Selegilin ist in therapeutischen Dosen ein irreversibler und selektiver Monoaminooxydase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) und verhindert den Abbau von Dopamin. Da er nicht mit dem Abbau der anderen Monoamine interferiert, verursacht er keine hypertensiven Krisen («Cheese Effect»).
Selegilin verhindert auch die Wiederaufnahme der Katecholamine in die Neurone und erhöht die Konzentration und den Turnover des Dopamins, indem es die präsynaptischen Rezeptoren blockiert. Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Levodopa und Dopa-Decarboxylase-Hemmern wird seine Wirksamkeit potenziert und verlängert, was eine Dosisreduktion erlaubt.
Im Frühstadium sowie in weiter fortgeschrittenen Stadien der Krankheit erlaubt Selegilin, die Levodopa-Dosis um 10–30% zu reduzieren.
Es verbessert die funktionellen Beeinträchtigungen, indem die motorischen Symptome reduziert werden und die motorischen Fluktuationen, die in Abhängigkeit von den Levodopaeinnahmen auftreten, verringert werden (End-of-dose-Akinesien, nächtliche oder morgendliche Akinesien), da durch Selegilin die «on»-Phasen verlängert werden.
Selegilin ist also besonders nützlich bei Patienten, die unregelmässig auf Levodopa ansprechen; bei Akinesien, die vom Einnahmezeitpunkt abhängig sind und einem frühzeitigen Nachlassen der therapeutischen Wirkung (on-off-Phänomene) entsprechen, oder die in der Stunde nach der Levodopaabsorption auftreten (paradoxe Akinesie), sowie von der Einnahmezeit unabhängige paroxysmale und zirkadiane Akinesien. Dieser Wechsel von Phasen motorischer Fähigkeit zu plötzlichen Akinesie-Perioden werden durch Selegilin stark gemindert.
Pharmakodynamik
Siehe «Wirkungsmechanismus».

Pharmakokinetik

Absorption
Nach oraler Verabreichung wird Selegilin schnell und vollständig absorbiert: die maximalen Plasmakonzentrationen (0,037–0,045 µg/ml für eine Gabe von 5 mg) werden nach 30 bis 50 Minuten erreicht.
Distribution
Da es sich um eine lipophile Substanz handelt, dringt sie leicht in die Gewebe ein (Gehirn eingeschlossen) und wird schnell im Organismus verteilt.
Das Verteilungsvolumen beträgt 300 Liter. 94% des Selegilins werden an Plasmaproteine gebunden.
Metabolismus
Die Aktivität des Selegilins ist im Wesentlichen an die L-Form des Moleküls gebunden. Nach einer ersten Leberpassage wird es zu (–)-Desmethylselegilin, (–)-Levoamphetamin und zu (–)-Levomethamphetamin metabolisiert, Metaboliten, die nicht zur klinischen Wirksamkeit beitragen.
Die beiden letzten Metaboliten besitzen praktisch keine Amphetaminwirkung, da sie in der L- und nicht in der D-Form vorliegen.
Elimination
Die biologische Halbwertszeit des Selegilins und seiner Metaboliten beträgt 39 Stunden.
Nach 72 Stunden sind 59% der verabreichten Dosis über den Urin und 25% in den Fäzes ausgeschieden.

Präklinische Daten

In Toxizitätsstudien, bei denen die tägliche Dosis wiederholt verabreicht wurde, konnte keine organotoxische Wirkung nachgewiesen werden.
Selegilin ist weder mutagen noch kanzerogen.
Studien zur Reproduktionstoxikologie sind nicht verfügbar.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Nach dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum nicht mehr verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

54326 (Swissmedic).

Packungen

Selegilin Helvepharm Tabl 50. (A)
Selegilin Helvepharm Tabl 100. (A)

Zulassungsinhaberin

Helvepharm AG, Frauenfeld.

Stand der Information

Dezember 2009.

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